Berichte aus Gruppen

Constanze, Teilnehmerin der Esssuchtgruppe

Ich habe ein Jahr lang eine angeleitete Gruppe für Frauen mit einer Esssucht (BingeEating) bei Dick & Dünn e.V. besucht und das war für mich ein Meilenstein auf meinem Weg aus meiner Essstörung.

Das lag vor allem daran, dass Dick & Dünn e.V. professionelle, erfahrene und einfühlsame Mitarbeiterinnen hat. Auch das Konzept der angeleiteten Gruppe ist super, weil man zum einen in einem sehr geschützten, vertraulichen und zugewandten Kreis (ganz tolle, ganz unterschiedliche, empathische Frauen jeden Alters) konkrete Hilfe mit seinen alltägliche (Ess-)Problemen erhält. Zum anderen bieten sich dabei immer wieder Anknüpfungspunkte und es werden Hilfestellungen gegeben, den komplexen Ursachen der eigenen Esssucht auf den Grund zu gehen.

Mir hat die Gruppe mit der tollen Gruppenleitung so viel Erkenntnis in so vielerlei Hinsicht gebracht. Ich bin darüber sehr dankbar und verlasse die Gruppe mit einem nahezu suchtfreien Essverhalten und einem großen Rucksack voller Werzeug für den Fall, dass doch wieder schwierige Zeiten kommen sollten.

Berlin 15.10.18

Marlene (30 Jahre) - Gruppe Frauen ab 26 Jahren

Die Selbsthilfegruppe ist in erster Linie ein Ort, an dem man sein kann, wie man ist, ganz pur, ohne in irgendeiner Form ein ideales Bild von sich vorgeben zu müssen. Nach einer anfänglichen Zurückhaltung, die völlig normal ist, wenn man noch neu ist und niemanden kennt, beginnt man allmählich, sich zu öffnen und persönliche Geschichten und Emotionen preiszugeben. Man schöpft Vertrauen zu den einzelnen Personen, zu der einen mehr, zu der anderen weniger. Aber das allgemeine Klima in der Gruppe wird beherrscht von einer gegebenen Sicherheit: Ein Tresor, in dem alles ganz sicher aufbewahrt wird.

Bei den besprochenen Aspekten handelt es sich nicht zwangsläufig um das Thema Essen, nein, viel eher geht es um die Gesamtheit des Lebens der jeweiligen Personen, folglich wird viel häufiger über Dinge gesprochen, die den Alltag betreffen und mitunter Auslöser für die Ess-Störung sein können: Familie, Beruf, Alltag etc. Die Bereitschaft, solche intimen Dinge von sich zu erzählen, setzt eine nicht wertende Atmosphäre voraus, in der man nicht verurteilt wird. Diese ist in der Gruppe gegeben, denn die unterschiedlichen Denkweisen werden stets besprochen und diskutiert. Aber letzten Endes bekommt jede Person den Raum, ihre eigene Meinung beizubehalten, ohne dabei missachtet zu werden. Der Humor spielt bei den wöchentlichen Treffen eine große Rolle, die Selbstironie, das gemeinsame Lachen. Oft sitzen wir da, amüsieren uns über unsere merkwürdigen Angewohnheiten und Denkmuster und stellen dabei fest, wie ähnlich wir uns doch teilweise sind. Und auch der Trauer wird Raum geboten, und die Gruppe versucht dann, die jeweilige Person emotional zu unterstützen.

Ich freue mich stets auf die Gruppe, ich lerne unterschiedliche Menschen kennen, mit denen mich stets ein Thema ganz sicher verbindet: das Essen. Diese ganzen Personen mit ihren Lebensläufen, ihren Idealen, ihren Stärken und Schwächen bereichern das eigene Leben sehr. Was gibt es Interessanteres als das Leben selbst? Und dann noch, wenn ganz offen und ehrlich darüber gesprochen wird, ohne Scham und Hemmungen. Und so hänge ich denn sehr an meiner Selbsthilfegruppe, auch wenn die Mitglieder phasenweise recht häufig wechseln, bleibt doch diese allgemeine Stimmung der Sicherheit bestehen.

Obwohl sich mein Zustand sehr gebessert hat und ich die Gruppe nicht mehr so dringend benötige wie noch vor über einem Jahr, sehe ich keinen Grund, sie zu verlassen. Denn ich gehe nicht nur hin, um meine Ess-Störung zu behandeln, sondern ich habe auch Freude daran, das Leben dieser einzelnen Menschen zu verfolgen, sie regelmäßig zu sehen und mit ihnen zu debattieren.

Ich genieße es z. B. ganz speziell in meiner weiteren Entwicklung, einmal in der Woche dort zu sein und von meinem stabileren Leben zu berichten. Und dabei auch weiterhin zu lernen, von den einzelnen Personen und von unserer Leiterin. Diese beobachte ich gerne dabei, wie sie psychologisch vorgeht, um den vielen Betroffenen den richtigen Weg zu weisen; und wie wir alle dort scheitern und gewinnen, scheitern und gewinnen. Wir sind Menschen, integer und loyal zueinander.

Ich fühle mich sicher aufgehoben in diesem Tresor. Und wer wird schon von sich sagen, dass er, wenn er in einem Tresor sitzt, viel zu lachen hat?!

Laura, 21 Gruppe für Frauen junge Frauen bis 25 Jahre

Ich spreche ja eigentlich nicht gerne vor Gruppen, es hat also ein wenig gedauert, bis ich mich getraut habe, von mir zu erzählen. Aber den anderen ging es zu Anfang genauso und so allmählich wächst man da rein. Mir hat es sehr geholfen, von den Erfahrungen der anderen zu hören, aber auch mich an meine eigenen Erfahrungen und das, was ich schon geschafft habe, zu erinnern. Durch die Gruppe bleibe ich einfach mehr "bei der Stange" mit den Dingen, die ich schon in Therapie und Klinik gelernt habe und mache das dann auch, z.B. aufschreiben, was heute positiv war oder dass ich tatsächlich mein Essverhalten im Auge behalte und mich nicht selbst belüge. Ohne Gruppe würde mir das alles viel leichter abhanden kommen.

Kira, 19 - Gruppe für junge Frauen bis 25 Jahre

Als ich das erste Mal in die Gruppe kam, war ich ganz schön nervös. Wie gut, dass es Gruppenregeln gibt, die einem ein wenig den Stress nehmen, indem sie z.B. deutlich machen, dass man nicht gleich alles von sich erzählen muss, wenn man es gerade nicht will. Ich bin nach den 4 Probesitzungen aber ganz gut "aufgetaut" und habe jetzt guten Kontakt zu den anderen. Ich finde ja, es sind so tolle Frauen in der Gruppe. Es tut so gut, von seinen Erfahrungen zu berichten und dazu die Erfahrungen der anderen zu hören. Oder mal getröstet zu werden, wenn man traurig ist. Was richtig gut ist, dass die anderen sich auch immer versuchen, in einen hineinzuversetzen und überlegen, wie es ihnen an meiner Stelle gehen würde und dass sie vielleicht genauso reagiert hätten. Man bekommt also nicht immer gleich "tolle Tipps" rübergereicht "Mach doch mal so....!" oder "Tu dies!" "Tu das!", sondern erst mal Verständnis dafür, dass man bestimmte Dinge so macht, denkt, oder fühlt. Und derst danach überlegen wir gemeinsam: Was könnte man anders machen? Das tut sehr gut. Wir tauschen uns über alles aus, was im näheren oder ferneren Sinne mit der Essstörung zu tun hat, über Konflikte, Beziehungen, Liebe, Freundschaft, Gedanken und Gefühle.....und was das alles mit dem Essen zu tun hat. Was ich in der Gruppe gelernt habe: "Gefühle gehören nicht auf den Teller!"

Mareike (28 Jahre) - Klientin in Einzelberatung

Ich saß in meinem Zimmer. Draußen war es kalt, doch die ersten Frühlingsmonate standen vor der Tür. In meiner Hand lag der Telefonhörer, vor mir ein Zettel mit der Aufschrift „DICK & DÜNN" und einer Telefonnummer darunter. - Ruf da jetzt an! Mach das! Du musst da anrufen! - summte es schon seit einigen Tagen in meinem Kopf.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt rund sechs Jahre Essstörung hinter mir und bin fünf Jahre davon in therapeutischer Behandlung gewesen.

Als ich den Telefonhörer endlich auflegte, hatte ich einen Termin für eine Einzelberatung gemacht. „DICK & DÜNN - Beratungszentrum bei Ess-Störungen". Es war gut für mich, dass schon der Ort die Sache beim Namen nannte. Zu lange hatte ich mich hinter Begriffen versteckt, die alles wollten, - nur nicht dünn und essgestört sein. Den Termin in meinen Kalender eintragend, fand ich mich mutig, wusste aber, dass ich ohne den Verein diesen Mut nie aufgebracht hätte.

Heute, fünf Jahre später, blicke ich auf zahlreiche Einzelberatungen und einen Klinikaufenthalt zurück, bei dem mich die Beratungsstelle maßgeblich unterstützt hat. In Erinnerung ist mir dabei vor allem eines meiner ersten Gespräche. In diesem fragte ich Frau Baeck, ob Sie jemals erlebt hätte, dass eine essgestörte Person wieder gesund geworden sei. Fest davon überzeugt, dass einmal essgestört immer essgestört bedeuten würde, erreichte mich ihre zuversichtliche Antwort: „Ja klar gibt es das." Wie, wenn einer zu einem sagt: „Sie haben den Job, herzlichen Glückwunsch!". Ich zweifelte zwar, und dennoch sah ich in meinem riesigen Meer an Selbstzweifel, -lügen und -zerstörung zum ersten Mal ein Ufer.

Heute stehe ich an diesem Ufer. Ich bin erleichtert; dankbar, dass es diese Einrichtung gibt: DICK & DÜNN e. V. - für Essgestörte ein großes Geschenk.

Sonja, 42 - Gruppe für Frauen und Männer ab 18 Jahren

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch in der Gruppe. Ich war geschockt, weil mir gegenüber drei magersüchtige Frauen saßen, die nur noch Haut und Knochen waren und ein paar sehr dicke Männer, die kaum in die breiten Korbstühle passten. „Was soll ich hier", dachte ich, „hier bin ich als Frau mit meinen 87 Kilo und meinen 42 Jahren doch total falsch." Von wegen! Genau richtig bin ich hier. Denn das Erstaunliche an unserer Gruppe ist, dass wir alle unterschiedliche Essstörungen haben bei ähnlicher Vergangenheit. In unseren Gesprächen stellen wir immer wieder fest, dass wir nach den selben Verhaltensmustern funktionieren, unter den selben Ängsten leiden, die selben Beziehungsprobleme durchleben, Ein Teil von uns reagiert darauf eben mit Hunger oder Erbrechen, die anderen mit Fressattacken.

Felicitas, 45 - Gruppe für Frauen und Männer ab 18 Jahren

Als ich im Februar 1993 das erste Mal von DICK & DÜNN e.V. hörte, kannte ich nicht nur alle Diäten, sondern hatte sie auch längst alle an mir ausprobiert. Was sollte mir hier schon Neues berichtet werden: Ich war dick und unglücklich. Trotzdem besuchte ich bei DICK & DÜNN e.V. zehn Wochen lang eine Gruppe und lernte Gleichgesinnte kennen, d.h. Menschen mit Essproblemen, egal in welcher Richtung Es ging um uns als Person. Das Essen oder „Nicht Essen" stand nicht mehr im Vordergrund.

Wir, sechs Frauen und Männer, besuchten eine Langzeitgruppe, die phänomenal von Sylvia Baeck begleitet und unterstützt wurde. Von nun an wurde aus DICK & DÜNN e.V.: Durch dick und dünn, Diese Zeit möchte ich nie mehr missen, denn sie hat mein Leben umgekrempelt.

Das ist nun über 16 Jahre her. Vier von damals sind immer noch in Kontakt und wir unterstützen uns auch heute noch.

Ilona, 44, - Gruppe für Frauen mit Esssucht und Übergewicht ab 18 Jahren

Jede von uns kam mit viel Herzklopfen zum ersten Beratungsgespräch in die Innsbrucker Straße und war sehr schnell erleichtert darüber, wie selbstverständlich hier mit unserem großen Tabu-Thema Ess-Sucht umgegangen wurde. Die Beratung und anschließend angeleiteten Gruppentreffen waren einfach nur toll und haben uns zum ersten Mal das Gefühl gegeben, mit dem dicken Problem nicht allein auf der Welt zu sein.

Durch die Gespräche haben wir gelernt, auf unsere innere Stimme zu achten. Bei welchen Gefühlen „müssen" wir essen? Wie kann ich einen Essanfall unterbrechen oder schon die Notbremse ziehen, bevor er beginnt? Ganz wichtig ist, dass wir gelernt haben bzw. immer noch lernen (wollen), uns selbst so anzunehmen, wie wir sind - mit all unseren kleinen Fehlern. Und dass wir stolz auf unsere guten Charaktereigenschaften sein dürfen, die wir Dicke von uns selbst ja gern als selbstverständlich und richtig hinnehmen. In unserer Gruppe ist ein großes gegenseitiges Vertrauen entstanden. Wir erzählen viel von dem, was uns auf dem Herzen liegt, das sind nicht nur die Themen Essen, Abnehmen, Bewegung, Shopping-Tipps. In diesem beschützten Raum wird manchmal auch geweint - und natürlich viel gelacht! Wir sind selbstbewusster geworden und haben auch schon einiges an unserem Essverhalten ändern können und unterstützen uns gegenseitig darin, vielleicht doch den „Knackpunkt" für unser Essverhalten zu finden. DICK & DÜNN e.V. hat uns sehr geholfen, eine kritische aber dennoch konstruktive Einstellung zu unserem Essverhalten zu bekommen. Das hätten wir allein nicht geschafft - dafür ein dickes Dankeschön an die Mitarbeiterinnen mit dem Wunsch, dass der Verein noch viele, viele Jahre bestehen bleibt, um weiteren Frauen zu helfen!

Frau C. - Mutter in der Elterngruppe sowie Einzelgespächen

Meine erste Begegnung mit der Beratungsstelle DICK & DÜNN e.V. war ein Beratungsgespräch bei Frau Baeck. Ich war mit den Nerven total am Ende, konnte nicht mehr schlafen und wusste nur eins: Das, was gerade mit meiner Tochter passierte, konnte nicht richtig sein. Sie war seit mehreren Wochen in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie regelrecht eingesperrt. Ich hatte das Gefühl, dass der behandelnde Arzt nicht wusste, was er da tut. Ich wusste es aber auch nicht besser.

Das gut gemeinte Mitleid sowie die Durchhalteparolen von Freunden, der Familie und sogar Kolleginnen, die versuchten, mir Mut zu machen, konnte ich einfach nicht mehr ertragen. Ich fühlte mich von allen Seiten unverstanden und hilflos. Nun saß ich einer mir völlig fremden Frau gegenüber und sprach mit ihr über meine Sorgen und Ängste - und endlich verstand jemand, worum es mir ging und wie es mir ging! Ich bekam praktische Tipps im Umgang mit meinem kranken Kind, Empfehlungen für spezialisierte Kliniken und endlich das Gefühl, dass doch noch nicht alles verloren ist.

Seit diesem Tag vor ca. zwei Jahren nehme ich die Beratungen von DICK & DÜNN e.V. regelmäßig in Anspruch und gehe zur monatlichen Elterngruppe. Ich profitiere von den wertvollen Erfahrungen engagierter Frauen, die vor 25 Jahren das Projekt DICK & DÜNN e.V. ins Leben gerufen haben und seither an vielen Fronten gegen alle Formen der Ess-Störungen kämpfen! Danke!!!

Herr und Frau T. - Eltern in Einzelgespächen

Im Herbst 2005 erkrankte unsere Tochter S. mit 15 Jahren an Bulimie. Zuerst fiel es der Freundin K. auf, dass S. sich regelmäßig nach dem Essen erbrach. Sie rief mich an und teilte mir ihre Sorge um S. mit. Alarmiert beobachteten wir das Essverhalten unserer Tochter und fanden den Verdacht bestätigt. Maßlose Essanfälle und der Drang danach, das Essen wieder loszuwerden. Das Schlimme an der Bulimie ist, dass die Erkrankung nach außen hin nicht auffällt, weil körperliche Veränderungen nicht so deutlich sichtbar sind wie bei der Anorexie oder Adipositas. Nachdem S. - von uns darauf angesprochen - ihre Problematik zugab, suchten wir Rat und Hilfe bei unserem Hausarzt. Er gab uns die Adresse einer Praxis für Jugendtherapie. Der erste Kontakt mit der Therapeutin war positiv - die Chemie schien zu stimmen. S. erklärte sich mit einer Therapie einverstanden, in die wir in Eltern- oder Gruppengesprächen anfangs auch mit einbezogen wurden. Auf Anraten der Therapeutin wurde die Therapie verlängert - nur wir fühlten uns als Eltern mit der Situation überfordert. Wir wandten uns an die Beratungsstelle DICK & DÜNN e. V. Ich besuchte einen Gruppenabend, an dem viele betroffene Mütter und Väter ihre Erfahrungen austauschten. Mir war das nicht konkret genug - ich wollte wissen, wie wir in unserer ganz persönlichen Lebenssituation den Gesundungsprozess unserer Tochter unterstützen können. In Einzelgesprächen zu zweit oder auch mit S. lernten wir uns selbst besser kennen und waren froh über den unparteiischen Blick von Frau Baeck auf unsere Probleme. Mit ihrer Hilfe (für die wir ihr sehr dankbar sind) und unserer Bereitschaft zu Veränderungen gelang es uns, eine positive Perspektive mit der Aussicht auf Überwindung der Bulimie zu erreichen. Im Juni 2009 hatten wir unser letztes Einzelgespräch mit Frau Baeck. S. hat die Krankheit nach drei Jahren intensiver Arbeit überwunden, wird aber weiterhin von ihrer Therapeutin auf ihrem Weg begleitet.